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Berliner Versicherung ist zahlungsunfähig

27.03.2015

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) hat nach eigenen Angaben vorgestern beim Amtsgericht Charlottenburg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der BVAG Berliner Versicherung AGbeantragt. Der Vorstand der Gesellschaft hatte am 19. März die Zahlungsunfähigkeit des Versicherers nach § 88 Absatz 2 VAG angezeigt, teilte die Behörde gestern mit.

Die Zukunftsaussichten des Versicherers beurteilt die Bafin skeptisch: „Anderweitige konkrete Sanierungsmöglichkeiten sind für die BVAG nicht ersichtlich“, schreibt die Behörde in ihrer gestrigen Pressemitteilung.

Darin wird auch das weitere Verfahren beschrieben: „Für den Fall, dass das Insolvenzgericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beschließt, regelt § 16 Absatz 1 VVG, dass die Versicherungs-Verhältnisse mit Ablauf von einem Monat seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens enden.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens dienen die Bestände des Sicherungsvermögens der vorrangigen Befriedigung der Forderungen der Versicherten, Versicherungsnehmer, Begünstigten und geschädigten Dritten (§ 77a Absatz 1 Satz 1 VAG).“

Zulassung war schon im Februar widerrufen worden

Die Zulassung der BVAG zum Geschäftsbetrieb hatte die Bafin nach ihren gestrigen Angaben am 12. Februar 2015 wegen nicht ausreichender Kapitalisierung wiederrufen, so dass die Gesellschaft in die Abwicklung gehen musste.

Mit weiterer Verfügung vom 17. März 2015 habe die Versicherungsaufsicht eine Verfügungsbeschränkung über Vermögenswerte des Sicherungsvermögens verhängt sowie gegenüber dem Versicherer eine Zuführung weiterer Vermögenswerte zum Sicherungsvermögen angeordnet.

Darüber hinaus habe die Bafin am 20. März dem Inhaber der Gesellschaft die Ausübung der Stimmrechte untersagt und angeordnet, dass über die Anteile an der BVAG nur mit Zustimmung der Bafin verfügt werden darf, wurde weiter mitgeteilt.

Kleiner Maklerversicherer mit wachsenden Fehlbeträgen

Die BVAG ist nach Angaben der Bafin „ein verhältnismäßig kleiner Maklerversicherer mit einem Beitragsvolumen von circa 11,1 Millionen Euro (2014), der vor allem das Sach- und Haftpflichtversicherungsgeschäft betreibt.“

Eigentümer des Unternehmens ist die schweizerische Beteiligungsgesellschaft BVI AG. Die hatte die Geschäftsanteile erst im vergangenen Jahr von der der Augur Gruppe, ebenfalls einem Finanzinvestor, erworben (VersicherungsJournal 19.11.2014).

Die letzten vorliegenden Geschäftsberichte weisen durchweg Verluste aus. In dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Abschluss für 2013 wird bei Bruttobeitragseinnahmen von 11,9 Millionen Euro ein Jahresfehlbetrag von 11,8 Millionen Euro ausgewiesen. In 2012 beliefen sich die Beiträge auf 8,7 (Vorjahr 5,7) Millionen Euro und der Verlust auf 6,17 (4,96) Millionen Euro (VersicherungsJournal 4.6.2013).

Neugeschäft wurde eingestellt

Laut Bericht des Aufsichtsrats für 2013 wurde im Oktober 2013 beschlossen, das Neugeschäft einzustellen.

Das geschah offenbar nicht aus freien Stücken, denn der Vorstand schreibt in seinem Nachtrags- und Prognosebericht für 2013 zum Vollzug des Aktienerwerbs durch BVI: „Die Zuführung dieser Mittel ist zugleich Voraussetzung für die Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Mindestkapital-Anforderungen und die Wiederaufnahme der Zeichnung von Neugeschäft.“

Verluste waren erwartet worden

Bereits in ihrem Bericht zum ersten Geschäftsjahr 2011 hatte die BVAG für 2012 und 2013 im Hinblick auf die geplanten Beitragseinnahmen und Investitionsaufwände mit nochmals negativen Jahresergebnissen gerechnet (VersicherungsJournal 24.10.2012).

Insgesamt wurden in den Geschäftsjahren 2011 bis 2013 schon etwa 23 Millionen Euro Verluste angehäuft. Für 2014 wurden noch keine Geschäftszahlen veröffentlicht.

Die Berliner Versicherung war im Jahr 2010 als Tochter der Darag Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-AG gegründet worden. Von dieser wurde zum Start ein Erstversicherungs-Bestand von einer Million Euro Beitragsvolumen übernommen (VersicherungsJournal 5.10.2010).

Insolvenzen sind selten

Letzter größerer Insolvenzfall mit Auswirkungen auf den deutschen Markt war im Jahr 2010 die Pleite der niederländischen International Insurance Corporation (IIC), die hier unter den Marken Ineas und LadyCarOnline aktiv war (VersicherungsJournal 6.8.2010).

Zuvor war die Ancora Versicherungs-AG beim Insolvenzverwalter vor Anker gegangen (VersicherungsJournal 6.9.2006). Davon waren etwa 17.000 Versicherungsnehmer betroffen (VersicherungsJournal 28.8.2006).

Eine Pleite mit Ansage gab es beim Schiff-Versicherer Antra (VersicherungsJournal 13.10.2003).

Manchmal gibt es Rettung

Manche Versicherer konnten durch eine Intervention der Versicherungsaufsicht und/oder Kooperation mit einem solventen Partner gerettet werden.

Dazu gehört zum Beispiel die Familienfürsorge Lebensversicherung a.G., die nach einer Verwaltung durch einen Sonderbeauftragten der Bafin (VersicherungsJournal 2.8.2002) in der Huk-Coburg Lebensversicherung AG einen finanzkräftigen Partner gefunden hat (VersicherungsJournal 28.8.2002).

Bei der Mannheimer Lebensversicherung dagegen waren zwar alle Rettungsversuche vergebens (VersicherungsJournal 27.6.2003).

Aber die mehr als 300.000 Kunden konnten ihre Policen bei der Sicherungseinrichtung der Branche, der Protektor Lebensversicherungs-AG, fortsetzen. Die war in die vertraglichen Verpflichtungen der Mannheimer eingetreten (VersicherungsJournal 1.8.2003). Viel mehr als die Garantien können die Versicherungsnehmer allerdings nicht erwarten (VersicherungsJournal 22.7.2013).

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