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Aktuare warnen vor Überforderung der Arbeitgeber in der bAV

04.05.2015

Im Ziel sind sich Regierung wie Altersvorsorge-Experten einig: Die betriebliche Altersversorgung (bAV) muss als zweite Säule gestärkt und insbesondere auch in kleinen und mittleren Betrieben eine stärkere Verbreitung finden. Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hat die Idee des neuen Sozialpartnermodells Betriebsrente zur Diskussion gestellt (VersicherungsJournal 7.5.20143.11.2014).

Aktuare votieren für Beibehaltung der Freiwiligkeit

Nach Einschätzung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) sollte an der freiwilligen Entscheidung von Arbeitgebern, eine bAV einzuführen und einen Dotierungsrahmen festzulegen, besser festgehalten werden.

Dr. Horst-Günther Zimmermann, Vorsitzender des Instituts der Versicherungs-mathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. (IVS) sagte vergangene Woche auf dem DAV-Presse-Workshop im Rahmen der Mitgliederversammlung (VersicherungsJournal 30.4.201530.4.2015): „Wegen der Freiwilligkeit sollte jede Änderungsmaßnahme so gestaltet werden, dass sie den Arbeitgeber nicht zusätzlich belastet.“

Dann bestünde nämlich die Gefahr, dass Arbeitgeber eher an eine Einschränkung ihrer Aktivitäten im Bereich der bAV etwa bei den Versorgungszusagen denken könnten. Unabhängig hiervon besteht der gesetzliche Anspruch der Arbeitnehmer auf Entgeltumwandlung.

Derzeit finanzieren dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zufolge in 27 Prozent der Betriebe mit bAV allein die Arbeitgeber die zusätzliche Altersversorgung. In weiteren 44 Prozent der Fälle beteiligen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer an der bAV.

Niedrigzinsphase reist auch Lücken in der bAV

Die in der Niedrigzinsphase kräftig gesunkenen Renditen drücken auch auf die bAV und lassen große Lücken entstehen. Die DAV-Mathematiker machten folgende Beispielrechnung auf:

Betrug die erwarteten Rendite bei einem heutigen Guthaben von 1.000 Euro fünf Prozent, so hätte sich in 20 Jahren ein Kapital von 2.650 Euro ergeben. Liegt die tatsächliche Rendite aber bei nur zwei Prozent, schrumpft das Ergebnis auf 1.490 Euro. Es fehlen 1.160 Euro oder 44 Prozent.

Wollte man die Renditelücke schließen, müsste heute die Einlage um 785 Euro oder 78,5 Prozent auf 1.785 Euro erhöht werden. Aber wer soll die Lücke schließen – der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber oder der Staat? Für die Bundesregierung gilt das Primat eines ausgeglichenen Haushalts, Steuergeschenke für die Altersvorsorge sind kaum zu erwarten.

Für die DAV ist klar, dass die Lücke aber auch nicht nur von den Arbeitnehmern durch Entgeltumwandlung geschlossen werden kann. Dies gelte besonders für Geringverdiener. Andererseits sei aber ein Ausgleich für fehlende Rendite durch zusätzliche Beiträge sowohl „individuell als auch ordnungspolitisch“ erforderlich. Für die Aktuare müssen alle drei Beteiligten diese Aufgabe stemmen.

Aba wirbt mit eigenem Reformmodell für Stärkung der bAV

Die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba) will diese Woche mit eigenen Vorschlägen Bewegung in die Diskussion über eine Stärkung der bAV bringen. Aba-Vorstandsvorsitzender Heribert Karch will die Grundzüge des Reformmodells am Mittwoch der Presse und ausführlich am folgenden Tag auf der Aba-Jahrestagung vorstellen.

Im Mittelpunkt werden dabei Maßnahmen stehen, die Klein- und Mittelbetrieben „haftungsarme Möglichkeiten“ zum Aufbau einer bAV bieten. Zudem sollen Aba zufolge Niedrigverdiener einfach und gezielt gefördert werden etwa durch ein Zulagenmodell.

Inwieweit die Politik bereit ist, sich auch finanziell in ein solches Reformmodell einbinden zu lassen, wird man sehen. Mit Spannung wird auf der Jahrestagung die Rede von Arbeits- und Sozialministerin Nahles erwartet. Sie könnte auch aufzeigen, wie es mit dem Sozialpartnermodell weitergehen soll.

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